Leseprobe

Lies dich rein

Die ersten Seiten aus „Eden Hall: Die Aufnahmeprüfung“.

1. Kapitel

Die Fabrikruine

Die Aktion war verrückt. Nichts als Ärger würden sie sich einhandeln. Peter schüttelte den Kopf, während er sich den Staub von seiner flickenbesetzten Hose klopfte. Warum Karl auch immer so eine große Klappe haben musste. Ja, der Metzgerssohn war ein Fiesling. Trotzdem, musste man sich so von ihm provozieren lassen? Nur weil er Karl als Feigling beschimpft hatte, wollte der ihm nun das Gegenteil beweisen. Deshalb waren sie in der ausgebrannten Eisenbahnfabrik gelandet und suchten nach einer Trophäe, die sie dem Idioten präsentieren konnten.

Peter schüttelte wieder den Kopf. Der Metzgerssohn war vierzehn und damit zwei Jahre älter als sie. Eigentlich sollten sie gar nichts miteinander zu tun haben. Überhaupt hatte Peter heute seinen freien Tag und konnte sich Besseres vorstellen, als in einer muffigen Ruine herumzusuchen. Aber als beste Freunde stand man Abenteuer eben gemeinsam durch.

Er schob mit seinem Fuß die Glasscherben auf dem Steinboden zur Seite. Seine Lederstiefel sahen reichlich verschlissen aus. Wie überhaupt alles an ihm die besten Tage bereits hinter sich hatte. Sein Hemd war verblichen, die Wollhose ausgeleiert und das Leder seiner Hosenträger bröckelte.

Peter beugte sich zum Fenster, durch das er in das kleine Zimmer geklettert war.

„Bin drinnen, du kannst“, flüsterte er.

Ohne auf eine Reaktion seines Freundes zu warten, durchquerte Peter den Raum und lief auf die halb kaputte Tür zu. Vorsichtig öffnete er sie einen Spalt und vergewisserte sich, dass nichts Verdächtiges zu sehen oder zu hören war. Erst als er sich ganz davon überzeugt hatte, schlich er hindurch. Was er dann sah, machte ihn sprachlos.

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Staunend stand er in der riesigen Produktionshalle der alten Eisenbahnfabrik. Vor ein paar Jahren war sie großteils bei einem Brand zerstört worden. Was noch von ihr übrig war, glich einem verwaisten Maschinenfriedhof.

„Karl, das musst du dir ansehen“, stieß Peter mit vor Begeisterung bebender Stimme hervor.

Die Natur hatte sich weite Teile der Industrieanlage zurückerobert. Zwischen den Schienen, auf denen einst reparaturbedürftige Dampflokomotiven in die Fabrikhalle gefahren waren, wuchsen wilde Brombeerbüsche. An den Wänden rankte Efeu entlang. Und inmitten all diesen Grüns thronten zwei gigantische, schon ordentlich verrostete Lokomotiven. Sie wirkten, als hätte man sie vor Jahren hier abgestellt und dann einfach vergessen.

Peter strich sich seine langen Haare aus der Stirn und rückte seine Mütze tiefer ins Gesicht. Durch das halb eingestürzte Dach schien die Sonne sehr hell in die Fertigungshalle. Ein lautes Klirren ließ ihn zusammenzucken. Das Geräusch kam aus dem Zimmer, durch das er gerade den zentralen Bereich der Fabrik betreten hatte.

„Mist!“

Peter drehte sich um.

„Karl?“

Wie es weitergeht, liest du in „Eden Hall: Die Aufnahmeprüfung“.